There was a man of double deed

There was a man of double deed

Gedicht: There was a man of double deed – Inspiriert durch die TV-Serie „The Fall“. Übersetzung (nah am Wortlaut) und Interpretationsversuche. 

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There was a man of double deed,
Es war ein Mann der doppelten Tat,
Who sowed his garden full of seed;
der in seinem Garten Samen säte;

When the seed began to grow,
als der Samen zu wachsen begann,
‚Twas like a garden full of snow;
war es wie ein Garten voller Schnee;

When the snow began to melt,
als der Schnee zu schmelzen begann,
‚Twas like a ship without a belt;
war es wie ein Schiff ohne Gürtel;

When the ship began to sail,
als das Schiff zu segeln begann,
‚Twas like a bird without a tail;
war es wie ein Vogel ohne Schwanz;

When the bird began to fly,
als der Vogel zu fliegen begann,
‚Twas like an eagle in the sky;
war es wie ein Adler am Himmel;

When the sky began to roar,
als der Himmel zu brüllen begann,
‚Twas like a lion at my door;
war es wie ein Löwe an meiner Tür;

When my door began to crack,
als meine Tür zu brechen begann,
‚Twas like a stick across my back;
war es wie ein Stock über meinem Rücken;

When my back began to smart,
als mein Rücken zu schmerzen begann,
‚Twas like a penknife in my heart;
war es wie ein Taschenmesser in meinem Herzen;

And when my heart began to bleed,
als mein Herz zu bluten begann,
‚Twas death, and death, and death indeed.
war es Tod, und Tod, und wahrhaftig Tod.


Ursprung des Gedichts

Die früheste niedergeschriebene Erwähnung dieses Gedichts habe ich in dem Buch „Golspie: contributions to its folklore“ von Edward Williams Byron aus dem Jahr 1897 gefunden. Auf Seite 194 steht „There was a man“, eine leicht abweichende Version. Die erste sowie die letzten beiden Strophen unterscheiden sich (Abweichungen kursiv).

„There was a man, a man indeed;
He sowed his garden full of seed.

When my door began to crack,
´Twas like a stick upon my back.
When my back began to bleed,
It´s time for me to die indeed.“

Den ersten Teil könnte man mit „Es war ein Mann, ein wahrhaftiger Mann“, den letzten Satz mit „Es ist wahrhaftig Zeit für mich, zu sterben“.

Byron sagt, dass die Phrase des ersten Satzes „There was a man …“ eine typische alte Redensweise ist und so ähnlich bereits 1659 im Werk „Proverbs“ von James Howell erschienen ist: „A man in words and not in deeds, is like a garden full of weeds.“

Außerdem verweist er auf James Halliwell, einen britischen Literaturkritiker (1820 – 1889). Dieser veröffentlichte 1842 das Werk „The Nursery Rhymes of England“, worin das Gedicht auftaucht. Hier allerdings wieder etwas anders. Es beginnt „A man of words and not of deeds, is like a garden full of weeds“ und endet „And when your heart begins to bleed, You´re dead, and dead, and dead indeed.“

Percy Green schrieb 1899 in seiner Veröffentlichung „A history of Nursery Rhymes“, dass das Gedicht im 17. Jahrhundert als Satire auf den damaligen Herrscher Charles den II. geschrieben worden sein soll.

Daraufhin ist der Reim „A man of words and not of deeds“ in weiteren Büchern sogenannter „Nursery Rhymes“ also Kinderliedern bzw. -versen zu finden. So unter anderem in „Mother Gooses`Nursery Rhymes“ von 1919. Leichte Abweichungen im Text sind dort ebenfalls vorhanden.

Letztendlich kann leider nicht geklärt werden, wer das Gedicht und die unterschiedlichen Versionen davon verfasst hat. Die Abweichungen mögen auf den ersten Blick nicht wesentlich erscheinen, lassen aber bei der Interpretation teilweise ganz andere Schlussfolgerungen zu.

Interpretationsversuch

Teil 1: Deutung der unterschiedlichen Textversionen

Während der Recherche bin ich auf vielfältige Interpretationen des Textes und seiner Varianten gestoßen. Bereits die verschiedenen Versionen des ersten Satzes lassen mehrere Schlüsse zu. Geht man davon aus, dass es im Ursprung „There was a man, a man indeed“ hieß, könnte man meinen, „There was a man of double deed“ kürze das Wort „indeed“ lediglich ab. Diese Annahme möchte ich aber ausschließen, was zu Beginn von Teil 2 näher erläutert wird.

Die althergebrachte Phrase „A man in words and not in deeds, is like a garden full of weeds“ wird auch in einigen der „Nursery Rhymes“ verwandt. Bei dieser Variante kann man davon ausgehen, dass der Text eine grundlegende Moral vermitteln sollte: Grob umrissen, ein Mann solle durch seine Taten überzeugen und nicht durch seine Worte. Darüber hinaus fällt auf, dass das Gedicht für Kinder keinen Wechsel der Erzählform (von der neutralen 3. Person zur 1. Person) enthält.

Es mag makaber klingen, einen solchen Reim in ein Kinderbuch zu packen. Einige Interpretationsansätze gehen allerdings davon aus, dass Kinder zu der damaligen Zeit, ein besseres Verständnis für schlimme Ereignisse bzw. einen anderen Zugang zum Thema Tod hatten als heute. Deshalb sei es nicht verstörend, ihnen solche Inhalte vorzulesen. Im Gegenteil, ihnen werde ein wahrer Lebenszyklus vermittelt.

Wie oben bereits kurz erwähnt, gibt es auch Theorien, die in dem Text eine Anspielung auf ehemalige britische Herrscher sehen. Neben Greens Ansatz konnte ich eine Meinung finden, die prinzipiell auf dem Part „a garden full of weeds“ basiert.

Laut Aufzeichnungen wurde dieser Ausdruck während der Herrschaft von King Edward IV als Synonym für England genutzt. Im Zuge dessen könnte das Gedicht als Schmähwerk auf den vorausgehenden King Henry VI verstanden werden, unter dessen Regierung das gesamte britische Territorium in Frankreich verloren ging.

Teil 2: Deutung der Version aus „The Fall“

Betrachtet man zunächst ausschließlich den ersten Satz der „double deed“ Version, macht die wörtliche Übersetzung eines Mannes „doppelter Taten“ für mich persönlich mehr Sinn.

Insbesondere im Hinblick auf den folgenden Inhalt ist das interessant, da das Gedicht selbst durchgehend die im Titel angesprochene doppelte Dynamik (und Wiederholungen) aufweist. Jeder Vers beinhaltet eine Aktion und eine Folge. Vernunft und Unvernunft, Methode und Chaos werden so verbunden, dass etwas, das eigentlich nicht zusammenpasst, sich plötzlich sinnig anfühlt.

Dieses Schema zieht sich so eindrucksvoll durch den gesamten Text, dass man bereits beim ersten Lesen fasziniert ist. Einerseits legt der Autor auf ein präzises System wert, das in Reimform und Verslauf ersichtlich wird. Andererseits wird die äußere Logik durch die inhaltlichen Sprünge gebrochen.

Als „double deed“ könnte man also durchaus den Aufbau dieses Gedichts bezeichnen. Bis zum letzten Satz, der unerwartet mit einer dreifachen Wiederholung endet. Es scheint, als wolle der Autor die Wiederholungen mit einem harschen Ende auflösen, gar zerstören. Nach den seltsamen und fast komplizierten Übergängen von einer Sache zu einer anderen zeugt der Schluss mit seiner einsilbigen Aussage von Einfachheit.

Der Tod tritt wahrlich schlicht als endgültige Erlösung in Erscheinung.

Das Gedicht zeugt von einer extremen und dunklen Erzähltechnik. Phasenweise gleicht der Inhalt einem Traum oder gar den Gedankengängen eines Geisteskranken. Das Unberechenbare und Unvorhergesehene baut eine Spannung auf, die sich wie ein roter Faden durch den Text bandelt. Das wird auch in dem Moment deutlich, in der sich die Erzählform plötzlich wandelt: „… ‚Twas like a lion at my door“. Man bekommt den Eindruck, der Verfasser fühlt sich dem Düsteren verbunden. Klingt der Anfang des Gedichts noch unschuldig – ja fast harmonisch – wendet sich ab dieser Strophe das Blatt. So lässt sich auch in diese Tatsache das Zwiegespaltene (die Doppeldeutigkeit) hineininterpretieren.

Das Gedicht im Zusammenhang mit der Serie „The Fall“

Ein passenderes Gedicht hätten sich die Drehbuchautoren für diese Szene der letzten Folge von „The Fall“ kaum aussuchen können.

Auch hier kann man nun wieder recht weitgreifend spekulieren, welche Bedeutung dem Text in diesem Zusammenhang beigemessen wird. Zunächst sehe ich darin eine Metapher für Spectors Leben. Er selbst ist ein „Mann doppelter Tat“: ein fürsorglicher Familienvater auf der einen und ein Serienkiller auf der anderen Seite. Das Paradebeispiel eines Doppellebens.

Eventuell lässt sich sein Lebenszyklus auch anhand der einzelnen Strophen festmachen. Wo er zu Beginn unter Umständen noch Hoffnung hatte, seine Gewaltfantasien in den Griff zu bekommen, wird ihm später klar, dass er diese Gedanken nicht länger kontrollieren kann. Ab diesem Zeitpunkt ist ihm bewusst, wohin das einmal führen wird.

Darüber hinaus könnte man das Zitat so deuten, dass er in diesem Moment einen Pakt mit Bailey schließt. Er teilt ihm – ohne es wörtlich auszusprechen – mit, dass ihr beider Leben ein baldiges Ende finden wird. Zumindest würde sich so das Aufschreiben des letzten Satzes erklären lassen. Verfolgt man diese Darstellung, kann auch hier wieder die Dopplung erkannt werden. Ein gemeinsamer Tod zweier „Freunde“.

Soweit ich weiß, hat Bailey ihm die Vergewaltigung seiner Schwester verschwiegen und er es anderweitig erfahren. So gesehen, könnte Spector ihm auch durch die Metapher des Gedichts sagen, dass er sein Geheimnis kennt und er Bailey den Tod ankündigt.

Unabhängig der Interpretation wird „A man of double deed“ in diesem Moment seinem Titel, der inhaltlichen Zerrissenheit und Zweideutigkeit mehr als gerecht. Meiner Ansicht nach ist der Raum für Spekulation von den Machern durchaus gewollt. Dadurch können sich alle Zuschauer ihren eigenen Gedanken zur Hauptfigur und deren Innenleben hingeben.


Bild: Bojan Pavlukovic – shutterstock.com

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