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Hirschlederhemden, waschbar, 498 DM, verleiten zur Schnäppchenjagd.
Gepriesen wird das "drive by shooting" in Südafrika,
die Abschußgarantie auf exotisches Getier wie Nyla oder Antilope
ist dort für lizensierte Schützen schon ab 300 DM pro
Tag zu haben. Küchenmeister Josefs Hirschrückenschnitte
mit Brombeersoße ist dagegen für auserwählte Hobbykiller
kostenlos. Und die Jägersippe Veltins kredenzt ihr Brauereierzeugnis
Gleichgesinnten zum Vorzugspreis.
Folglich spricht man an der Tränke dem Gebräu im Rudel
zu, schnell haben die Jager einen im Tee. Ihre groben westfälischen
Bauerngesichter, gekrönt von Kinn- oder Backenbart, glänzen
jetzt feist vor Männlichkeit. In Lodenjankern und Schottenröcken
schlendern breithüftige Weibsbilder durch die Budengassen.
Reflexhaft balzen halbstarke Jungmänner wie vor der Tenne beim
Scheunenfest. Dumpf röhrt der Hirsch in allen Köpfen.
"Jäger sind die größte praktizierende Naturschutzgruppe
des Landes", behauptet Freiherr Heereman, Präsident des
nordrhein-westfälischen Jagdverbandes. Mit Gattern von den
Jägern ferngehalten, zitieren Tierrechtsaktivisten auf ihrer
verregneten Demo den verstorbenen Bundespräsidenten Heuss:
"Die Jägerei ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit",
wußte das Staatsoberhaupt. "Jäger sind Mörder",
schallt es den in geländegängigem Schuhwerk vorbeieilenden
Grünröcken lautstark entgegen.
"Jäger, wir warnen euch - wir schießen zurück",
ist ein Flugblatt der alternativen Tierschützer "Ratten"
betitelt, die sich in Essen treffen. Zurückgeschossen haben
die "Ratten" etwa im Münsterland anläßlich
einer Treibjagd auf Fasane. Mit Blitzlichtfotos "jede Menge,
von allen Seiten und in jeder Situation". Während des
Blitzlichtgewitters verwechselten die erhitzten Nimrods aber Selbstjustiz
mit Nemesis, drei Mann schlugen eine "Rättin" mit
Gewehrkolben zu Boden und stahlen ihre Kamera. Zu dergleichen Waidgerechtigkeit
neigen die Hobbykiller fast ausnahmslos: Die Jagdgegner im Revier
wissen von kaum einer gewaltfrei angelegten Jagdstörung zu
berichten, bei der die Jäger nicht über sie herfielen.
Dabei riskieren die Jagdsaboteure außer gefährlichen
Körperverletzungen auch Lebensgefahren. Denn obwohl sich die
Tierfreunde, um die Jagd zu verhindern, zwischen Jäger und
Gejagtem stellen, wird die Ballerei nicht immer eingestellt. "Völlig
rechtswidrig", nennt der Essener Rechtsanwalt Ralf Hilgers,
der Tierrechtler verteidigt, diese Praxis. "Wenn Jäger
Unbeteiligte sichten, ist die Jagd sofort abzubrechen." Aber
nicht nur die "Animal-Peace"-Aktivistin Nicola hat bei
einer Jagdaktion am Niederrhein gegenteilige Erfahrungen gemacht:
"Beinahe hätten die mich angeschossen, ich konnte den
Luftzug der Munition an meinen Beinen spüren."
Statt seine kriminellen Zunftgenossen zu ahnden, nimmt der Landesjagdverband
lieber die bösen Jagdgegner ins Visier. Dabei spielt die Jägerlobby
gern vergangene Taten hoch. Etwa die 150 Hochsitze, die eine klandestine
"Splittergruppe Kleinholz" 1993 nach eigenem Bekunden
umgesägt hat. Interessanterweise neigen die behelligten Jägersleute,
denen etwa Säure übers Auto gespritzt wurde, zum Verkriechen
in der vollen Deckung. "Mittlerweile werden Jagden gar nicht
mehr öffentlich angekündigt", stellt Werner Jörgensen
von den "Ratten" fest, "aber wir kriegen von überall
her Tips." Die werden dann über einen Rundbrief und eine
Infoline verbreitet. Denn die kleine radikale Minderheit der Tierrechtsaktivisten
hat ein hohes Ziel: Jedwede Nutzung von Tieren durch die Menschen
muß vermieden werden.
Also: Kein Besitz an Tieren. Kein Fleisch. Kein Fell. Kein Leder.
Milch gilt als weißes Blut. Eier, igitt, sind Menstruationsabfälle
des Huhnes. Ihre vegane Lebensweise leiten die Konsequenten aus
der Empfindsamkeit der Tiere ab. "Weil auch Tiere fühlen
können, haben sie Persönlichkeit", erklärt Alexandra
von der Veganen Offensive Ruhrgebiet (VOR), "und Individuen,
auch Tiere, gehören niemandem." VORler, "Ratten",
"Animal Peace" sind nicht nur gegen Jagden und Jäger.
Die Hardcore- Tierschützer stehen auch mit Propagandamaterial
vor Zirkussen oder Zoos. Auch kippen sie Kunstblut vor McDonald's.
Oder sie machen Kürschnern das Leben schwer.
Der Düsseldorfer Kürschner Klaus-Peter Kuhn hat unter
der Beseeltheit der Tierrechtler zu leiden. Eine Aktionsgruppe von
"Animal Peace" demonstrierte vor seinem kleinen, aber
feinen Laden. "Pelztierträgerin, trag' deine eigne Haut!",
krakeelten die Protestler holprig, aber laut. Und Stefan Bröckling
ist zufrieden. "Der Krieg gegen die Tiere ist der größte
Krieg, den die Menschheit je geführt hat", agitiert der
bei "Animal Peace" angestellte Aktionskoordinator, "das
Leiden unserer Mitgeschöpfe in Hühnerbatterien oder Pelzfarmen
ist durchaus mit KZs zu vergleichen." Als Konsequenz aus dieser
krassen Überzeugung folgt für die Peaceniks: "Wir
sind nicht für Verbesserungen in der Lebenssituation von Tieren,
wir wollen verhindern, daß sie umgebracht oder auch nur gehalten
werden."
Kompromisse oder auch nur Diskussionen mit dem Gegner sind im Protestkonzept
von "Animal Peace" nicht vorgesehen. Klaus-Peter Kuhn,
Kürschner in der dritten Generation, läßt dieser
moralische Rigorismus verzweifeln. "Seit Jahren bemühe
ich mich erfolglos um Gespräche mit den Pelzgegnern",
zuckt er die Achseln, "ich empfinde deren Vorgehen als menschenverachtend
und absolut undemokratisch; diese Leute versuchen, Angst zu verbreiten."
Dabei ist Kuhn kein Schwein, sondern ein Mensch. Und weil er bei
den Kürschnern die Probleme im Umgang mit Tieren kennt, bemüht
er sich um eine reformistische Lösung.
Als Vertreter der Gruppe "Kürschner und Umwelt"
legt er Wert auf die artgerechte Haltung und schmerzlose Tötung
seines Rohstoffes. Doch der Haufen Rigoristen gewinnt permanent
an Einfluß: "Animal Peace" etwa organisiert sich
bundesweit auf dem Fundament eines gemeinnützigen Vereins.
Mehrere tausend Spender bluten für das Ziel, "die Tiere
aus der Jahrtausende alten Tyrannei des Menschen zu befreien".
In Duisburg, Essen und Wuppertal gibt es bereits Aktionsgruppen
von überwiegend jungen Menschen. Konflikte mit der Staatsgewalt
werden von diesen billigend in Kauf genommen. "Wir sind alle
längst erkennungsdienstlich behandelt", rühmt die
Vorsitzende Silke Ruthenberg ihre Aktivisten.
Ein Stück weit weniger offensiv sind sie bei der Veganen Offensive
Ruhrgebiet. "Wir führen keine illegalen Aktionen durch,
aber wir solidarisieren uns", sagt VORler Michael. Nicht ohne
Grund hat sich die VOR den schwarzen Stern der Freiheit als Emblem
gewählt. Aber innerhalb des finsteren Fünfzacks erhebt
sich sowohl die Revoluzzerfaust als auch eine Hundepfote. Mit Faust
und Pfote streitend, begreifen die VORler ihren Veganismus auch
als Teil des Konzepts "Eat the Rich": "Die VOR kämpft
prinzipiell gegen jede Art der Ausbeutung von Menschen und Tieren",
erläutert Stoffschuhträger Timm.
Auf diesem Erkenntnispfad führt der Veganismus stracks hin
zum neuen Menschen. Wer nur die Pflanzen frißt, sich mit den
Viechern verbrüdert und dies hinausspeit, darf sich als immerdar
gerechter Gutmensch fühlen. Und weil alles mit allem zusammenhängt,
werden mit dem permanenten Wiederkäuen dieser Form gesunder
Lebensweise alle Übel dieser Welt zermalmt. Im auflaufwarmen
Mief der Gruppe mag selbst das kollektive Gurkensuppelöffeln
taugen als schmackhaftes Rezept gegen den Faschismus.
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