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bei den Profis von der "Pest Control"! Sie sind schon alle
da.: Hygieneschädlinge. Lästlinge . Materialschädlinge.
Auf großen Tafeln werden sie ins Bild gesetzt, vieltausendfach
beschwören Prospekte ihre Eigenarten. "Schon ein einzelnes
zirpendes Heimchen kann zu einer erheblichen Ruhestörung führen
und damit das menschliche Wohlverhalten beeinträchtigen",
befürchtet der "Geschäftsbereich Tiergesundheit"
von Bayer.
"Schädlinge im unmittelbaren Lebensbereich peinigen die
Menschheit seit Jahrhunderten mit schweren Krankheiten", weiß
der "Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband".
Selbst die gemeine Hausfliege belästige Menschen und Haustiere
in unerträglicher Weise. Und die Wald- und Wiesenmücke
überträgt sogar das Gelbfieber. Menschenfloh-Stiche dagegen
führen nur zu Quaddeln und Papeln. Tagelang hält der Juckreiz
an. Gegen das auf der "Eurocido" beschworene Bedrohungszenario
sind die apokalyptischen Reiter ein Fliegenschiß. Das Ungeziefer
schert sich sogar einen Dreck um abgedroschenste Klischees: Dreist
kriecht es aus allen Löchern.
Hans-Günter Thelen kann ein Lied davon singen. "Unsere
Gesellschaft wird immer intensiver von Schädlingen belastet",
muß der Agraringenieur feststellen, "wer aus dem Auslandsurlaub
kommt, dem springen die doch zu Hause aus dem Koffer". Neben
der intensiven Reiselust ist für den Kammerjäger-Ausbilder
"die Nahrungstouristik" Grund für den Generalangriff
der Asselbande. "Wo kriegen die Pizzerien ihre Schaben denn
her?" fragt er zornig. "Die werden doch gleich mit den
Artischocken mitgeliefert. Auf dem Messestand der Krefelder Berufsakademie
sind die Insekten gefahrenfrei, weil hinter Glas und tot, in kleinen
Kästen ausgestellt. Eine Fotoserie zeigt angehende Kammerjäger
bei der Artenbestimmung mit dem Mikroskop.
Im Goldsaal der Westfalenhalle referiert der Kieler Amtsarzt Stoll
vor rund 500 Kammerjägern. "Pocken, Tbc, Kuhfieber und
Pilzkrankheiten" bringen verwilderte Haustauben den Menschen.
Außerdem scheißt eine jede Luftratte bis zu fünf
Pfunde im Jahr. "Das kann die Sicherheit auf Gehwegen erheblich
beeinträchtigen", weiß der Akademiker. Was also
st zu tun? Einzig "lebendfangende Schlagfallen" hält
der Profi aus Tierschutzgründen für geboten. "Denn
die Columba livia domestica ist zwar vogelfrei, doch rechtlos ist
sie nicht". Fazit des Weißkittels: "Nur ein Tierarzt,
der eng mit dem Tierschutzverein zusammenarbeitet, darf den Tötungsakt
vornehmen". Ein paar Meter weiter klärt man bei der Schweizer
Firma Sanosil Ratsuchende freundlich über hausfraulicher Ungeziefermythen
auf. Es ist nämlich nur ein Aberglaube, daß Silberfische
sich an Zucker totfressen. "Damit werden die Tiere höchstens
aus dem Abfluß angelockt."
Und daß Hausstaubmilben mit Staubsauger und Teppichshampoo
zu zu vernichten seien, ist ein weiteres Ammenmärchen. "da
hilft nur die chemische Keule". Aber als Dilemma gilt, daß
wer gegen die Milbenkotmasse allergisch ist, sich auch aufgrund
des Anti-Milbenmittels unwohl fühlt. Jenseits von Gifteinsatz
durch versprühte Aerosole wird immerhin die klassische Fallenstellerei
betrieben. "Detektiv MT simuliert mit einem Sexualduftstoff
paarungsbereite Mottenweibchen. Die sofort anfliegenden Männchen
gehen auf den Leim. Wörtlich." Und bei starkem Mäusebefall
ist die Schlagfalle von Nutzen", erläutert Thomas Voigt,
Geschäftsführer des deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbandes,
in zwei Nächten kann man den Bestand um die Hälfte reduzieren".
Leider fallen Ratten auf den Genickbruch-Mechanismus nicht herein.
"Außerdem macht die Ratte schon mit drei Monaten Sex,
und drei Wochen später sind Junge da", weiß man
bei der Firma Frowein. Um das Lotterleben zu beenden, bietet die
Vertilgergilde den intelligenten Rudeltieren Fraßköder
mit integrierten Blutgerinnungsbeschleunigern an. Etwa das "neue
Sugan, besonders im feuchten Mileu ist es für lange Zeit attraktiv
und wirksam". Langsam krepiert die dann Ratte durch inneres
Verbluten. Neben dieser elaborierten Technik gibt es auch sowas
wie den sanften Tod, handzuhaben für jedermann: Eckhard Feldners
biologische Fliegenfalle ist in erster Linie für den Hausgebrauch
gedacht.
Sie funktioniert nach dem Reusenprinzip: Von einem Duftstoff-Beutel
angelockt, verfangen sich die Fliegen ausweglos. "Das Ding
fängt bis zu 100 Fliegen pro Minuten, und das vier Wochen lang",
sagt stolz der Geschäftsführer, danach die vier Liter
Fliegenmatsche einfach auf den Kompost werfen". Auch für
die Nacktschnecken hat Feldner eine reusenartige Falle entwickelt.
Kriechen sie hinein, wird die Schleimfähigkeit der Schnecken
unterbunden und die Weichtiere kleben am Fleck. Ein praktischer
Beweis für das von den Exterminatoren auf ihrer Messe oft beschworene
"Neue Denken in der Schädlingsbekämpfung". Der
Einsatz der Mittel soll auf das notwendige Mindestmaß beschränkt
werden.
Aber bei der Wahl der Arbeitskleidung hat das schiere Gegenteil
zu gelten. "Einige der männlichen Kollegen sollten wirklich
ein bißchen mehr auf ihr äußeres Erscheinungsbild
achten" beklagt die Kammerjägerin Jankowski aus Prötzel,
"vor allem beim Kontakt mit dem Kunden". Aber für
Rainer Gsell, den gepflegten Essener Terminator, gilt das ganz sicher
nicht. Bereitwillig erzählt der Experte von seiner professionellen
Leidenschaft. "Im Grunde unseres Herzens gehören wir zur
Jägerzunft. Denn das Wichtigste an unserem Beruf ist das Aufspüren
des Feindes und die Wahl der richtigen Waffe."
Bei der Jagd der tückischen Pharaoameise liefern die Kammerjäger
ihr Meisterstück. Die winzigen gelben Tierchen sollen im Jagdgebiet
uns Verrecken keine Krankheiten übertragen: Denn in Krankenhäusern
neigt diese Ameisenart dazu, unter Wundverbände zu kriechen,
um dort Eiter zu verspeisen. Gsell und die Seinen machen dem Ameisenstaat
den Garaus, indem sie "die Tierchen dazu benutzen, sich selbst
umzubringen". Es wird ein Fraßgift ausgebracht, daß
von den Arbeiterinnen im Kropf zur Königin transportiert wird.
Bis zur tödlichen Dosis reichert sich das Gift dann in der
Staatsdienerin an. "Damit ist die Wurzel allen Übels erledigt",
freut sich Gsell. Und der Terminator ist zufrieden.
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