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Georg Benda: Bitte sehr!
Wie wunderlich. Auf den ersten Blick hin wirken die völlig
unversehrt. Hat dir noch nie eine Pflanze aus deinem exotischen
Gezücht während der Fütterung in die Finger gebissen?
So ein Quatsch. Das kommt höchstens im Märchen vor. Tatsächlich
fangen die wenigsten fleischfressenden Pflanzen richtiges Fleisch,
also richtige Säugetiere. Zwar kommt es in den Tropen bei einigen
Arten selten vor. Aber die meisten begnügen sich mit Insekten
oder Gliedertieren.
Das klingt ja eher nach dem kleinen Hunger.
So isses. Diese fleischfressenden Pflanzen sind tatsächlich
ziemlich klein. Auch die Fangmechanismen der hier wachsenden Arten
messen nur ein paar Zentimeter. In den Tropen dagegen werden die
Fangvorrichtungen schon mal dreißig, vierzig Zentimeter groß.
Dieses exotische Grünzeug wäre also in der Lage, eine
süße, junge Katze zu schlucken?
In den tropischen Regenwäldern gibt es keine Schmusekatzen.
Allerdings gibt es rattenähnliche Tiere. Und genau diese Viecher
werden beispielsweise in Malaysia von Rankengewächsen zur Strecke
gebracht. Die Ranken haben nämlich Fallgruben, die bis zu einem
halben Meter tief sind.
Angeblich gibt es unter den Pflanzenkundlern, die auf malaysische
Tropenwälder spezialisiert sind, eine hohe Beinamputationsrate.
Ein übles Gerücht. Für Menschen besteht grundsätzlich
keine Gefahr. Man müßte seine Beine schon wochenlang
freiwillig in diese Gruben stecken, um überhaupt Verdauungsaktivitäten
zu spüren. Die Säurekonzentration ist nämlich viel
geringer als etwa im Magen.
Weitgehend harmlos also. Aber wie erklärt sich dann der Mythos
von den fleischeslustigen Gesellinnen?
Was weiß ich. Ich kenne nur den Tarzanfilm, in dem Baby Jane
von Pflanzen gefangengenommen wird. Aber meine Pflanzen stehen völlig
unspektakulär auf dem Fensterbrett.
Immerhin ein exotisches Hobby.
Gähn. Immerhin züchte ich schon seit mehr als zehn Jahren.
Das ist relativ anspruchsvoll, der Orchideenkultur durchaus vergleichbar.
Fleischfressende Pflanzen sind nämlich an extreme Standorte
angepaßt. Also kommt es darauf an, diese Wachstumsbedingungen
in Sachen Bodenbeschaffenheit, Lichteinfall und Luftfeuchtigkeit
nachzubilden.
Das dürfte auch für die Fleischversorgung gelten?
Im Prinzip ja. Diese Pflanzen fangen ja nur deswegen Viecher, weil
der Boden, auf dem sie wachsen, kaum Nährstoffe bietet. Die
gefangenen Insekten sichern also die Versorgung an lebenswichtigen
Mineralien.
Auf welche Fangtechniken sind denn deine Pflanzen im Laufe der
Evolution gekommen?
Ich züchte etwa die berühmte Venusfliegenfalle, die hat
einen aktiven Fangmechanismus. Ein Insekt setzt sich zwischen die
roten Klappen, berührt ein Härchen, und die Klappe geht
zu. Der in Deutschland beheimatete Sonnentau funktioniert ähnlich.
Aus einer Ranke sprießen nektargetränkte Fäden,
die umschlingen das gelandete Insekt. Passive Fallen sind Hohlräume
mit glatten Wänden oder Kletterbarrieren.
Gibt es in der Nähe natürlich wachsende Fleischfresser?
Na klar.
Der nächste Standort ist die Kirchheller Heide, in der Nähe
von Bottrop also, dort gedeiht beispielsweise der Sonnentau. Aber
der fällt dort nur denen auf, die was von seinem Wesen verstehen.
Und wer rupft, kriegt auf die Finger. Denn die stehen natürlich
alle unter Artenschutz.
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