| An der Landstraße
nahe Sonsbeck steht ein forstwirtschaftliches Nutzfahrzeug. Ein junger
Mann in Arbeitskleidung hat es sich auf der Fahrerseite bequem gemacht,
aufmerksam liest er in einem Heft. Eine ziemlich exotische Lektüre
ist das: In dem Periodikum namens 'Der Forstmaschinen-Profi' werden
beispielsweise sogenannte "Harvester" gepriesen. "Kein
schlechtes Teil", murmelt der Arbeitsmann.
Die Erntemaschinen sehen aus wie eine Kreuzung aus einem Raupenbagger
und einem Kran, der auch zum Sägen dient. Auf der Lichtung
eines Haines von jungen Birken sind gleich drei dieser Kraftpakete
ins rechte Bild gesetzt - das Fachblatt walzt die imposante Ansicht
mächtig schwer zu einem doppelseitigen Monatsposter aus. Gerade
noch hat sich Wilhelm Klompenhauer (29) in seinem grünen Kombi
an der Dreieinigkeit dieser Erntemaschinen erbaut. Jetzt ist der
gelernte Waldarbeiter unterwegs zu seinem Trainingsplatz: Einen
Kilometer tief führt ihn der Wirtschaftsweg in den Wald.
Klompenhauers Übungsstätte liegt inmitten einer Monokultur
von jungen Kiefern, hier absolviert der amtierende Weltmeister im
Baumfällen seine Trainingseinheiten. "Jetzt wollen wir
mal wieder richtig Krach machen", freut er sich und setzt mit
der Reißleine seine sechs Kilogramm schwere Säge in Gang.
Dann tritt der Weltmeister mit dem Mörderwerkzeug neben einen
aufgebockten Holzstamm, um sich in der Disziplin des "Kombinationsschnitts"
zu vervollkommnen. Es gilt, oben und unten gleichmäßig
ansetzend, eine flache Scheibe Holz absolut gerade abzutrennen.
Hunderte von abgesägten Scheiben zwischen mannshohen Disteln
in der Nähe zeugen von seinem Übungseifer.
Minutiös beherrscht der Sägeprofi auch die Fertigkeiten
des "Kettenwechsels" in Sekunden und des "Präzisionsschnitts".
Hierbei ist ein Anschnitt einer Bohle zu vermeiden, die unter dem
zu zersägenden Baum liegt. "Wenn ich mit der Säge
den Waldboden auffräse, fliegt der mir um die Ohren",
erläutert der Forstwirt, "so soll das nicht sein."
Als Königsdisziplin gilt den Männern mit der Motorsäge
der Akt der Fällung. Da geht es dann zum Fällbestand in
den Wald hinein und darum, einen Baum vermittels genauer Winkelschnitte
in einer festgelegten Richtung zu Fall zu bringen. Und zwar auf
den Zentimeter genau. Also legt Wilhelm Klompenhauer sein Arbeitsgerät
mit den sieben PS an eine armdicke Kiefer an. Bei Vollgas jagt die
Kette pro Sekunde 20 Meter übers Schwert.
Das Dröhnen des 100ccm-Zweitakters ergänzt vortrefflich
das Jaulcrescendo des geschundenen Baumes, während sich binnen
Sekunden die Kette durch das Holz gefressen hat. Als Ergebnis sieht
man aus der Entfernung, daß jede Menge Späne fliegen,
bis der jetzt tote Baum zwischen den anderen sanft zu Boden fällt.
Bei dem Gefällten legt Klompenhauer in Sachen Lärm noch
einen Zahn zu, indem er ihn entastet. Auch sauberes "Entasten"
gehört zum Kräftemessen beim Wettsägen der Waldarbeiter.
Alle Disziplinen der Meisterschaft sind abgeleitet aus der Forstalltagsarbeit
in Wald und Flur. Die Waldarbeiter- Meisterschaften dienen nämlich
zuallererst der Arbeitssicherheit bei der unfallgeneigten Tätigkeit
mit der Kettensäge. Deswegen sind nur Profis zugelassen.
Zu ihrer eigenen Sicherheit rüsten sie sich mit Schnittschutzkleidung,
Helm und Visier aus. Die Karohemdenträger freut das natürlich
trotzdem, Teams aus über 70 Ländern beteiligen sich regelmäßig
an dem prestigeträchtigen Wettkampf. Aber auch jenseits von
Arbeitsalltag und Berufswettkampf gibt es für den Sägewerker
Tage, wo die Säge sägen will. Mit einem Kumpel aus den
waldreichen Niederlanden zerstückelt er dann das Holz am laufenden
Festmeter im Club der Lumberjack's Grens(z)landhoppers. Gern wird
in diesen Kreisen der Umgang mit der Säge superscharf gehandhabt,
Kettensägentuning ist das Ding der meistens noch zehnfingrigen
Jungs: Sie spielen bei ihrer Säge am Luftfilter herum. Sie
feilen ihrem Spielzeug die Zylinderköpfe ab und betanken es
mit einem hochoktanigen Gemisch.
Dann leistet das Schnittchen statt sieben bis zu zwanzig Pferdestärken.
"Das zwar nur ein paar Minuten", bedauert der Weltmeister.
Aber solange fliegen die Fetzen.
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