| Im Fokus des
Interesses stehen hier Leben und Werk des Medienkollegen "Dirty
Harry", die Kunstfigur eines Fernsehreporters, der sich voll
und ganz auf die Schlafzimmerperspektive kapriziert hat. Voll authentisch
seine Produkte. Kamera läuft: In ihrem Wohnzimmer, genauer zwischen
knautschigen Sofakissen, werden jetzt Calice (18) und Frederic (35)
gezeigt. Auf dem Couchtisch im Vordergrund ist eine Obstschale recht
dekorativ anzusehen. Und schon drängt sich von rechts ein Allerweltskerl
ins Bild, Typ Zugabfertiger. Ausgerüstet mit wichtigen Accessoires
wie Baskenmütze, Schnauzbart, Lesebrille und Mikrophon. Harry
brabbelt los: "Überall, wo die beiden sind, machen sie Liebe."
Etwa im Badezimmer der Privatwohnung, "hier kann man nämlich
kleine Natursektspielchen machen", kündigt der Reporter
an und flieht aus der Duschkabine ins Trockene, derweil Calice und
Frederic einander innigst bepinkeln. Anschließend wird bis
zum Finale kräftig penetriert und niemals darf Harrys demoskopische
Nachfrage fehlen: "Wie war es, hat es Spaß gemacht?"
fragt er Calice, die, dramaturgisch optimal, also ergeben lächelt.
Bis endlich ausgeblendet wird. Sechs Nümmerchen umfaßt
eine Kassette von "Dirty Harrys Pornoshow" im Durchschnitt,
die Videos gelangen im Zwei-Monats- Rhythmus auf den Markt.
Jüngst hat der "Filmemacher" (Selbstdarstellung)
sein 65. Werk produziert. "Mittlerweile mache ich die erfolgreichste
Pornoserie der Welt", behauptet Harry, "sogar in Australien
habe ich einen Fanclub". Der Pornograph kennt die Gründe
seines Erfolges natürlich ganz genau: "Die Leute leihen
sich meine Kassetten aus den Videotheken, um zu gucken, ob sie jemand
von den Darstellern erkennen." Denn "Dirty Harry"
dreht seine Streifen, obzwar er professionelles Betacam-Equipment
nutzt, ausschließlich mit AmateurInnen. 800 Mark erhalten
die kopulierenden Paare dafür, daß sie die Vermarktung
ihres Liebesspiels erlauben.
"Etwa 60 Paare bewerben sich jeweils für die Kassette",
verkündet der Harry stolz, "initiativ sind dabei die Männer.
Die sagen, was der Pornodarsteller kann, das kann ich besser."
Frauen dagegen neigen, so Harrys elfjährige Filmerfahrung,
eher zum Reden. Ihnen entlockt der Bettreporter vor der jeweiligen
Koitussequenz in ewig anbiedernder Prosa höchst banale Äußerungen.
Etwa über ihre Hobbys. Und gern über ihre Urlaubserlebnisse.
Oder der ständig Mikrophon bewehrte Schmutzfink fingert an
den schon Entkleideten rum. "Dein Busen ist ja noch recht stramm",
fragt Harry, "wann hast du dich zum letzten Mal rasiert, gerade?"
Aber nicht nur investigativ fragend, auch abgeklärt antwortend
präsentiert sich Harry dem interessierten Publikum. "Was
also, Harry, ist Ihr größer Wunsch?" fragt Kollege
Hendryk M. Broder im edlen Fragebogenstil. Darauf bekommt der Autor
des Hamburger Magazins von "Dirty Harry" dann auch die
gerechte Antwort: "Ich möchte als Profifilmer den Grimme-Preis
erhalten. Damit wäre meine Arbeit endlich anerkannt."
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