| Walkie Talkies
krakeelen. Ehrfürchtig finden sich die Festgäste Sonntagskleidung
hinter den Absperrungen ein. Müde windet sich ein Hubschrauber
zur Landung herab. Eine riesige Staubwolke bedeckt die Gemeinde auf
dem kahlgeschorenen Acker. Plötzlich ist der grüne Teppich
voller Mist. Dem Helikopter entsteigt Larry Hagman ("Great thing
here"), er trägt den breitkrempigsten Stetson von allen.
Und heute tragen viele Stetson auf dem Prickingshof im münsterländischen
Haltern. Hier kann Eindruck genommen werden, in das was die Erde im
Innersten zusammenschweißt: Die Dummen bescheißen die
Grenzdebilen.
Ewald Döpper, der Halterner Agronom, entwickelte diese antropologische
Konstante zur Perfektion. Jetzt feiert der erfrischend unintellektuelle
Landmann mit einem rauschenden Reigen seinen 65. Geburtstag. In
den letzten vier Dekaden seines Schaffens scheffelte der als Bauer
Ewald' firmierende Holzschuhträger Millionen durch die rigorose
Ausbeutung von unbedarften Kaffeefahrt-Teilnehmern. Um die 1500
arme Menschen quetscht er täglich aus. Bauer Ewalds Masche:
In Bussen lockt er erloschene Rentner und naive Schulklassen auf
seinen "durch Presse, Funk und fernsehen weltbekannten bäuerlichen
Familienbetrieb" Prickingshof.
Das obskure Anwesen umfaßt "die erste und größte
bäuerliche TierschauEuropas mit dem großen Dampf-, Dreschmaschinen-
und Traktorenmuseum und Geräten bäuerlichen Brauchtums
sowie große Champignonzucht und Biogasanlage", wenn man
den dort aufgestellten Schrifttafeln glauben will. Tatsächlich
ist die "Tierschau", die die armen Rentner für ein
unverschämtes Eintrittsgeld begehen dürfen, nur ein schmierig
verglaster Stall, der nach Scheiße stinkt. Schweinescheiße:
Jenseits der verdreckten Fenster liegen in stählern eingefaßten
Koben Mutterschweine, eines rührt sich nicht mehr. Winzige
Ferkel, ihre Rücken von Schmeißfliegen bedeckt, reiben
einander verzweifelt quiekend die Flangen. Die "Champigonzucht"
ist ein Dutzend Plastikkisten voll feuchten Mutterbodens, in die
ein Knecht brackiges Wasser abfüllt.
Auf jeden nicht kotbeschmierten Winkel des Stalls im dreist benannten
"EWG-Musterhof" schmierte der geschäftstüchtige
Landwirt in altdeutscher Schrift billige Reime: "Das größte
Wunderwerk der Welt/ hat Bauer Ewald hier erstellt / Ein Bauer muß
zum Bauern geboren sein, er kann nie dazu gemacht werden."
Will man sich angesichts dieses Gewürges erleichtern, hat man
erst recht keine Chance. "Jedermann muß Plumpsklos benutzen
/ denn Besucher und Kunden / auch sollen wissen / so wurde seit
Menschengedenken auf unserem Bauernhof geschissen."
Selbst die in der "bäuerlichen Speisewirtschaft feilgebotenen
Speisen stehen in enger Beziehung zu Fäkalien. "O Prickingshof,
o Prickingshof, wie groß sind deine Schnitzel / die ißt
so schnell noch keiner weg /&die sind so groß wie'n Lokusdeck."
Bei seiner abschreckenden Bauernummer schreckt Landmann Ewald nicht
einmal vor Sex mit Tieren zurück: "Der schwerste Kaltblutzuchthengst
Europas, Adonis von Blayenthal, deckt eine jungfräuliche Stute
vor ihren Augen. Weiterhin sehen Sie die Befruchtung von verschiedenen
Tieren. Einwurf 1 Mark".
Insgesamt stehen in der Pferde-Peepshow sieben Videokabinen bereit.
Der Berfruchtungsstreifen soll nach Bauer Ewalds bigotten Bekunden
dazu dienen, neugierigen Jugendlichen die Zeugung in der Natur nahezubringen.
Gelegentlich seines Geburtstages ("Seit heut' krieg' ich auch
noch 1466 Mark Rente. Har, har") kaufte sich der münsterländische
Stetsonträger den US- Mimen Larry Hagman. Folgerichtig spricht
das Presse- Info von einer "deutsch-amerikanischen Beziehung
auf höchster Ebene". Den Dallas-Fiesling lies Döpper
eigens auf der Sause im Bierzelt Faxen machen.
"Wir wollen heute auch unsere Sorgen zu Hause lassen",
außerte sich der nunmehr berentete Bauer sichtlich bewegt,
"denn in diesem Zelt passen die nicht mehr rein".
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