| Der selbsternannte
Fachjournalist Michael Hesemann, entstammend dem Düsseldorfer
Universum, wird dazu gleich die große Predigt halten.
Das Saallicht wird gedimmt, klar, daß nun Sphärenklänge
hallen. Ziegenbartträger Hesemann schwingt sich von hinten
hüpfend in den Spot am Rednerpult. Den Laserpointer in der
Rechten, weist er auf ein eingefrorenes Weltraumbild, aufgenommen
wurde es von einer Außenkamera des Space- shuttle. "Ganz
deutlich sieht man hier im Weltraum ein Objekt", pointiert
der Faktensammler. Tatsächlich sieht man im luftleeren Raum
etwas Kleines, was glitzert, schwirrt und wieselt. Dann schießt
von Mutter Erde, Gemarkung Westaustralien, ein Strahl empor. In
Richtung des Glitzerpunktes.
Der Düsseldorfer Ufologe weiß, warum: "Da unten
befindet sich eine streng geheime Forschungsstation des Weltraumkriegprojektes
SDI. Die haben skrupellos auf das Ufo gefeuert." Statt mit
einem Energiestrahl den fünften Kontinent in Richtung Atlantis
zu schicken, macht sich der kleine Schwirrling schnell davon. "Zweifelsfrei
ist hier intelligentes Verhalten zu beobachten", meint Hesemann.
Aber wer 20 Mark Eintrittsgeld berappt, will halt gut unterhalten
sein.
Nach Hans-Werner Peininger, dem Vorsitzenden der mit rund 140 Mitgliedern
größten Ufo-Recherche-Organisation "Gesellschaft
zur Erforschung des Ufo- Phänomens" (GEP) in Lüdenscheid,
lassen sich "vermeintliche Ufo-Sichtungen grundsätzlich
auf natürliche Erscheinungen zurückführen".
Etwa ungewöhnliche Wolkenformationen, nach oben gerichtete
Scheinwerfer, blinkende Flugzeuglichter. Weil sich die GEP "als
behördenähnliche Einrichtung versteht", geht der
Verein den unbekannten Phänomenen systematisch auf den Grund.
Bekanntgewordene Sichtungsfälle werden registriert und abgeklopft.
Wie der Fall 19930516 A. Am 16. Mai 1993 sieht ein Augenzeuge auf
der Autobahn A45 zwischen Hagen und Lüdenscheid gegen 21 Uhr
"ein grelles Licht, das eine Rauchspur hinter sich zog".
Er vergleicht das optische Erscheinungsbild mit dem einer startenden
Rakete. Wie hat die GEP das Rätsel gelöst? Nach der Methode
der wahrscheinlichsten Erklärung: "Unserer Meinung nach
kann es sich um eine Modellbaurakete gehandelt haben."
Aber: "Es gibt keine unkomplizierte Lösung des Ufo- Phänomens",
warnt Peininger, "die Lösung steht noch in den Sternen."
Mit dem Gelichter beschäftigt sich auch Cornelia Brandt. Als
Chefin der "Interessengemeinschaft für Prä- Astronautik
Essen" (IPE) ist die Hausfrau bemüht, "die These
zu untermauern, daß Außerirdische in früherer Zeit
die Erde besucht und hier Kontakt mit Menschen aufgenommen haben".
Die kühne Annahme wird nach Auffassung des Dortmunder IPElers
Hans-Werner Sachmann mit der "Siggiburg-Geschichte" bewiesen.
Als sich im Jahre 776 die Streitmacht des großen Kaisers
Karl gegen die Sachsen wehren mußte, kam es zu einem mysteriösen
Schlachtengetümmel nahe der heutigen Dortmunder Hohensyburg.
Karls Mannen hielten die Siggiburg, eine befestigte Wallburg, die
die Sachsen im Jahr zuvor an Frankenkönig Karl verloren hatten.
"Die dortigen Franken widersetzten sich, mit Hilfe Gottes,
mutig, konnten aber in keinem Fall gewinnen", vermerkt im selben
Jahr der zeitgenössische Chronist Laurencius. Jedoch zeigte
sich über der Befestigung plötzlich "das Abbild zweier
Schutzschilder von rötlicher Farbe und in flammender Bewegung".
Kopflos ergriffen die Sachsen die Flucht, "zitternd vor Angst".
Also ist für Hans-Werner Sachmann klar: "Es handelt sich
um die Aufzeichnung eines sogenannten Wunders." Der Studiosus
der Prä-Astronautik erklärt sich den Kern der "Legende"
(Stadtarchiv Dortmund) mit einem Ufo. "
Was sollte man sonst zur damaligen Zeit am Himmel erwarten?"
fragt der Kassenangestellte. Auch den Elektronikfachmann Holger
Pursch haben "die Ufos heiß gemacht", wie er sagt.
Sein provisorischer Arbeitsplatz befindet sich in einem Kabuff der
elterlichen Wohnung. Während in dem Bottroper Bergmannshäuschen
der Kohleofen bullert, baut Pursch routiniert Computer zusammen.
Jetzt blickt der Ufo-Fan zur Abwechslung in ein Marsgesicht. Über
ein Computernetz hat sich der Seher ferner Welten zwei Aufnahmen
der Nasa-Sonde "Viking 1" gefischt, die beiden Farbfiles
zeigen eine 1,5 Kilometer lange erhabene Struktur in der Marsregion
Cydonia.
Pursch junior und sein Vater, ebenfalls auf Bildanalysen spezialisiert,
haben sich diese Struktur zur Brust genommen. Sie haben das Ding
per Software vergrößert, kontrastverstärkt, vermessen
und erneut berechnet. Und im Ergebnisbild erinnert die Tektonik
tatsächlich an ein menschliches Gesicht. Vater und Sohn sind
sich völlig sicher: "Das Gebilde ist eine außerirdische
Botschaft an die Erde." Bloß welche? Illobrand von Ludwiger
hat sich diese Frage nie gestellt. Denn mit Spekulationen beschäftigt
sich der Physiker nicht.
"Im Gegensatz zu allen anderen haben wir keine Ahnung, woher
das Ufo-Phänomen kommt und was das soll", sagt der für
Zentraleuropa zuständige Sprecher von Mutual Ufo Network-Central
European Section (MUfoN-CES). Ähnlich wie die Lüdenscheider
GEP kann die vornehmlich von Naturwissenschaftlern getragene MUfoN-CES
zwar den weitaus größten Teil der Sichtungen unbekannter
Flugkörper "von Experten auf bekannte Phänomene oder
Objekte zurückführen". Im Unterschied zur GEP- Sichtweise
bleibt bei den in Deutschland etwa 50 MUfoN-Mitarbeitern aber eine
geringe Anzahl Fälle "auch von Spezialisten nicht erklärbar".
Gerd Geitz aus Mülheim kann das beweisen. Der Ex-Pilot arbeitet
als Flugdienstberater bei einer deutschen Luftfahrtgesellschaft.
Im Juni 1994 recherchierte Geitz im Rheinland einen Fall, der Rätsel
aufgibt. Mehr als ein Dutzend Zeugen sahen am 16. gegen 10.25 Uhr
mitten in Düsseldorf ein dunkles Objekt am Himmel. Und zwar
über dem Gebiet der Müllverbrennungsanlage in Flingern.
Der Polizeiobermeister Jochen Fahr tat gerade in der Polzeiwache
Goethestraße seinen Dienst. Dort beobachtete der Beamte, gegen
die Sonne im Südosten guckend, "in einer Entfernung von
500 bis 1.000 Metern einen etwa daumenbreiten, sich nach oben bewegenden
schwarzen Schatten, von hinten von der Sonne beleuchtet, 45 Grad
über dem Horizont". Fahr weiter: "Ich bin sicher,
daß es sich nicht etwa um eine Gas- oder Dampfwolke gehandelt
haben kann."
Die restlichen Zeugen machten weitgehend ähnliche Angaben.
Und der Flugsicherung fiel nichts auf, obwohl man im Düsseldorfer
Tower das Objekt hätte sichten müssen. "Ein Flugplan
für Helikopter, Zeppelin, Heißluft- oder Gasballon wurde
am 16. Juni 1994 von niemandem abgegeben", ergänzt Geitz.
War der Luftkörper etwa ein Ufo?
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