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Ja genau, Ohrenkerzen!
Bei diesen vielleicht etwas eigenwillig benannten Leuchtkörpern
handelt es sich, völlig harmlos natürlich, um "ein
reines Naturprodukt" (Gebrauchsanweisung). Und um einen uralten
Kultgegenstand, den wir den Hopi-Indianern verdanken, "einem
Volk mit großer Kenntnis", wie ein jeder weiß.
Diese Hopis waren damals, vor ungefähr 800 Jahren, ganz hart
drauf, kriegspfadmäßig jedenfalls. Wenn aber das Kriegsbeil
begraben war, machten es sich die Rothäute vor dem Lagerfeuer
in ihren Ohrensesseln gemütlich und brannten sich eins. Man
darf das nicht mißverstehen, in bezug auf Feuerwasser waren
ihre Lippen versiegelt, höchtens mal ein Pfeifchen abgehackter
Fingernägel pfiffen sich die Hopis ein. Denn sie hatten ja
die Ohrenkerzen: "Diese sind sehr wohltuend, befreiend und
entspannend".
Ob das tatsächlich stimmt, das wollen wir doch mal sehen:
"Um Ihnen die Wirkungsweise näherzubringen, stellen Sie
sich einen Kamin vor." Na gut: Da steht er jetzt, oben qualmt's,
und nix passiert. Was soll's? "In einem Kamin gibt es einen
Unterdruck, der durch den Verbrennungsprozeß entsteht."
Diese raffinierten Hopis waren also auch im Besitz der elementarsten
physikalischen Weisheiten. Mehr noch, sie machten sich die Gesetze
der Lehre von den Kräften nutzbar. Zwar nur in Form von Ohrenkerzen,
ist aber besser als Lippenblütler, oder? "Der Unterdruck,
der durch das Anzünden der Ohrenkerze ausgelöst wird,
führt zu einer feststellbaren Druckveränderung der Nebenhöhlen."
Die Ohrenkerzen sind nämlich hohl. Sie werden in das Loch
im Ohr gestopft und abgefackelt, wer das bis jetzt noch nicht geschnallt
hat, kommt an den Marterpfahl. Aber: "Der Hörkanal sollte
senkrecht positioniert sein. Bei Vorschädigungen fragen Sie
erst Ihren fachkundigen Therapeuten." Weitermachen, sagt der
Weißkittel zur Rothaut. Feuer frei. Jetzt schnackelt's im
Ohr, "es beginnt ein angenehmes Knistern und Rauschen während
des Abbrennens". Außerdem riecht es etwas streng, und
zwar nach "wertvollen Honigextrakten, naturbelassenem Leinengewebe
sowie bekannten indianischen Kräutern, allen voran Johanniskraut,
Schachtelhalm und Kamille".
Das nimmt man doch gern in Kauf, denn immerhin "kommt es zu
einem spontanen Gefühl des Wohlbefindens in der Ohr-Kopf-Ebene".
Ein sogenannter Ohrgasmus also! Und als positive Nebenwirkung wird
"die Energiefluß-Zirkulation" - weißt Bescheid,
Hopi? - "stimuliert, daneben werden Schlacken und das Ohrenschmalz
abtransportiert". Jedoch aufgemerkt: "Im Verlauf der Verbrennung
intensiviert sich die Wärme."
Demnächst: alles über Nasenflöten.
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